Chronik Volkersdorf 1378 - 2003
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Das Copyright für die hier veröffentlichte Chronik bleibt allein bei
Norbert Gawehn
Grenzweg 5
01468 Volkersdorf
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Vorwort
Im Jahr 1978 wurde in unserer Gemeinde mit sehr viel Aufwand die 600 Jahrfeier aus Anlass der ersten urkundlichen Erwähnung durchgeführt. Natürlich war ich als damals 19 Jähriger bei der Durchführung des Festes mit dabei. Ich kann mich aber heute an fast keine Veranstaltung mehr erinnern, und was mich ganz schwer beschäftigt, dass keiner den Versuch unternahm, mit den damaligen Recherchen eine Chronik anzulegen. Leider sind die Dokumente der Recherchen bei der Gemeindeverwaltung auf unerklärlicher Weise in den Folgejahren verloren gegangen.
Im August 2002 hat sich ein kleines Vorbereitungskomitee unter Leitung der Freiwilligen Feuerwehr Volkersdorf zusammen gefunden, um die 625 Jahrfeier zu gestalten. Ich habe mir hierzu persönlich vorgenommen, einige Nachforschungen hinsichtlich unserer Historie anzustellen. Bisher Dokumentiertes und nicht schriftlich Festgehaltenes unserer Gemeinde zu sammeln und in digitaler Form der Nachwelt als Zeitzeuge und Nachschlagewerk zu erhalten.
Je mehr Zeit ich investierte, umso mehr Spaß und Gefallen fand ich an dieser Arbeit. Nichts ahnend habe ich aber feststellen müssen, dass zu einem solchen Vorhaben sehr viel Zeit und Recherchen notwendig sind, um die zusammengetragenen Teile wie ein Puzzle zu einem Gesamtbild zu fügen.
Bitte betrachten Sie deshalb die weiteren Aufzeichnungen subjektiv und nur als Beginn dieser Arbeit. Viele Informationen habe ich durch mündliche Überlieferung erhalten, bei einigen Schriftstücken fehlt mir die Quellenangabe. Es sind auch noch sehr viele Lücken in der zeitlichen Abfolge vorhanden. Ich bin bemüht, obwohl ich kein Historiker oder Archivar bin, nach besten Wissen und der geschichtlichen Wahrheit entsprechend die Geschichte unserer Gemeinde aufzuzeichnen, um es als Dorfgeschichte der Gemeinde Volkersdorf den Bürgern als ein heimatliches Geschichtsbuch zu erhalten.
Vielleicht wird der eine oder andere "alteingesessene" Volkersdorfer nach durchlesen dieser Chronik angeregt, an der weiteren Gestaltung mitzuarbeiten oder mir noch Informationen, Skizzen, Urkunden oder Bildmaterial (leihweise) zukommen zu lassen. Ich würde mich sehr darüber freuen. Recht herzlich bedanken möchte ich mich besonders bei allen Einwohnern, die mich bisher aktiv unterstützt haben. Gleichzeitig möchte ich hiermit die Versicherung abgeben, dass zur 650 Jahrfeier ein umfangreicheres Dokument präsentiert wird.
Volkersdorf, im Juli 2003
Norbert Gawehn
Grenzweg 5
01468 Volkersdorf
Vorwort 2
Die Resonanz auf das öffentliche Aushängen des bis dahin fertigen Teiles dieser Chronik zum 625-jährigen Fest im Juli 2003 war sehr überwältigend. Eine große Zahl von Einwohnern unseres Ortsteiles traten an mich heran und sagten mir Unterstützung für weitere Recherchen zu. Viele ältere und auch fremde Menschen suchten das Gespräch mit mir und gaben mir wichtige Hinweise.
In Ergebnis dessen habe ich mich entschlossen, diese Aufzeichnungen nicht nur im Internet sondern auch als Broschüre oder Buch erscheinen zu lassen sowie einige Kapitel wesentlich ausführlicher aufzuführen, als es für eine Chronik notwendig wäre. Es stellten sich aber damit drei Probleme auf.
1. Wie weit soll über Privates an die Öffentlichkeit gebracht werden, ohne die Würde und Rechte der betreffenden Personen zu verletzen?
Ich habe versucht den Weg der Mitte zu finden. Alle Daten die hier zu Personen auftauchen sind mit den Hinterbliebenen oder mit den Betroffenen selbst im Vorfeld der Veröffentlichung besprochen worden.
2. Wo fängt man mit der Aufzählung und Erwähnung von Ereignissen an, ohne dass man geschichtlich Nennenswertes vergisst?
Hier bleibe ich mir selbst eine Antwort schuldig. Für das Anlegen einer Chronik gibt es nun mal keine Richtlinie! Geschichte und Geschichten sind an jedem Ort anders. Jeder soll sich sein eigenes Bild von der Vergangenheit machen.
3. Wo soll man aufhören?
Ist es denn wirklich notwendig über jedes Detail zu berichten? Einige werden sich fragen, was denn diese oder jene Erwähnung in der Chronik zu suchen hat, der Stoff zu ausführlich und für den Leser uninteressant wirkt.
Hier meine Antwort: Die Darstellung in einigen Kapiteln zeichnet sich dadurch aus, dass in ihnen Erinnerungen ihren Niederschlag fanden, die sowohl Daten und Sachverhalte als auch Hintergründe und Kenntnisse bestimmter Zusammenhänge betreffen. Sie finden sich in keinem Protokoll, in keiner Aktennotiz und schon gar nicht in offiziellen Unterlagen wieder. Erinnerung ist umso unverzichtbarer, je größer die Lücken der schriftlichen Überlieferung aufweist, deren Bewahrung gerade beim Wechsel der politischen Systeme nachrangig war. Dieses Memmory-Potential wirkt wie eine Software, die bestimmte Abspeicherungen erst erkennbar und lesbar macht und Lücken schließen lässt. Sie hat allerdings einen entscheidenden Nachteil: Sie vergeht mit dem Träger der Erinnerung!
Das hier zusammen getragene Material ist ein großes Stück unser Dorfgeschichte. In einigen Jahren wird sich die Frage stellen, wer soll es denn weiterführen?
Einiges ist trotz sorgfältiger Recherchen vergessen worden oder es sind neue Ereignisse, die es wert sind, hinzugefügt zu werden. Schreibt einfach drauf los. Was ihr heute vergesst aufzuschreiben, ist in wenigen Augenblicken schon Geschichte, in 50 Jahren kann sich fast keiner daran erinnern und in 100 Jahren wird man fragen: "Wie war das denn damals?"
Norbert Gawehn, im Mai 2004
nach obenWo liegt Volkersdorf
Unsere Gemeinde liegt im Zentrum des Bundeslandes Sachsen,
etwa 3 km nördlich der Wohnbebauungsgrenze der Landeshauptstadt Dresden.
Wir befinden uns am Rand der Moritzburger Teichlandschaft, inmitten des geschützten Kleinkuppengebietes. Wir gehören zum
Landkreis Meißen.
Verwaltungstechnisch sind wir der Stadt Radeburg
als Ortsteil Volkersdorf zugeordnet.
Unsere unmittelbaren Nachbargemeinden sind:
- Landeshauptstadt Dresden (die Fluren der Ortsteile Marsdorf, Weixdorf Klotzsche, Hellerau, Rähnitz, Wilschdorf)
- Moritzburg ( die Fluren der Orte Moritzburg, Boxdorf)
- Radeburg ( der Ortsteil Bärnsdorf)
Zum 01.01.2003 hatte die Stadt Radeburg 7876 Einwohner, davon wohnten 483 Bürger im Ortsteil Volkersdorf. Sie nimmt eine Fläche von 54km² mit ihren insgesamt neun Ortsteilen (Bärnsdorf, Berbisdorf, Boden, Cunnertswalde, Großdittmannsdorf, Radeburg, Volkersdorf, Ziegelei) ein.
Die Kennzeichen der Kraftfahrzeuge beginnen mit den Buchstaben MEI - (Mit Extremer Intelligenz)?spaßeshalber von den Bürgern genannt.
Besucht man unsere Gemeinde aus südlicher Richtung (Dresden), wird als markanter Punkt die 1913/14 errichtete, unter Denkmalschutz stehende, ehemalige Schule und heutige Kindertagesstätte auf einer kleinen Erhebung sichtbar. Aus nördlicher Richtung (Radeburg) fällt unmittelbar nach dem Ortseingang auf der rechten Seite die liebevoll restaurierte Sandsteinbrücke als Zufahrt des ehemaligen Freigutes ins Auge.
Gesamtfläche Flur Volkersdorf: 540 ha
davon landwirtsch. Nutzfläche: 370 ha
Wald: 50 ha
Die größten Erhebungen in unserer Flur sind:
Spitzenberg 216,0m
Buckenberg 212,0m (er liegt auf der Flurgrenze zu Marsdorf)
Kahlenberg 208,8m
Hirschberg 208,7m
Der geographisch tiefste Punkt mit 171m ist der Wechsel des Wasserlaufes der Promnitz von der Volkersdorfer zur Bärnsdorfer Flur. Er befindet sich in der Nähe der 1998 neu gebauten Brücke der Verbindungsstraße dieser beiden Gemeinden. Der Ort selbst liegt in einem lang gestreckten Muldental und belegt im Mittel eine Höhe von 176m über NN. Er wird vom Bächlein "Promnitz" durchflossen. An den östlichen und südöstlichen Flurgrenzen durchschneiden die Autobahnen A13 und A4 die Landschaft.
Volkersdorf gehört zum so genannten Kirchspiel Bärnsdorf. Es existieren weder eine Kirche noch ein Friedhof in der Gemeinde.
nach obenGeschichte zur Entstehung des Siedlungsgebietes
Das erste Auftreten des Menschen auf unserer Erde dürfte nach Schätzungen etwa 2 Millionen Jahre zurück liegen. Seit etwa 10.000 v. u. Z. gingen die Menschen dazu über sesshaft zu werden.
Wann die Volkersdorfer Fluren besiedelt wurden, lässt sich kaum feststellen. Die ersten Funde der näheren Umgebung stammen aus der Mittelsteinszeit (etwa 8000 - 4500 v. u. Z.). Hierzu ist die Fundstelle von Hellerau / Kiefernweg zu nennen. Es handelt sich um 2 Feuersteine, an denen Spuren menschlicher Bearbeitung festgestellt werden konnten. Weiter wurde in Wilschdorf / Leeraue am Anfang des Verlorenen Wässerchens Feiersteingeräte gefunden: Schaber, Klingen, Bohrer, Pfeilspitzen.
Aus der Jungsteinzeit (4500 - 1800 v. u. Z.) kennen wir von der Volkersdorfer Flur zwei Funde. Das Bruchstück einer querdurchbohrten Hacke und einen plumpen Axthammer mit unvollendeter Bohrung. Die Fundstelle ist unbekannt. Die genannten Geräte sind Einzelfunde. Es kann damit nicht nachgewiesen werden, dass sie Gegen immer besiedelt war. Eine ständige Besiedelung ist erst für die letzte Phase der Jungsteinzeit (etwa um 2000 v. u. Z.) festzustellen.
Aus der beginnenden Bronzezeit (etwa ab 1700 v. u. Z.) gibt es keine Funde, durch die menschliche Besiedelung nachgewiesen werden könnte. Erst die jüngste Phase der Bronzezeit (etwa ab 800 v. u. Z.), die Zeit der Lausitzer Kultur (benannt nach dem Hauptverbreitungsgebiet einer Kulturgruppe, nach der Lausitz) hinterlässt in unserer engen Heimat Funde von großer Dichte. In Volkersdorf sind drei Fundstellen vorhanden. Es handelt sich um zugefüllte Kiesgruben.
Die einzelnen Fundstellen:
- am Sportplatz
- an der Straße von Rähnitz nach Volkersdorf, südlich der Einmündung des Fürstenweges vom Autobahndreieck und den Hofewiesen1[ *]
- östlich des ersten Feldweges, der in südliche Richtung das Dorf verlässt (Verlängerung Bergstraße in Richtung Kleinteich)1
Alle drei Fundstellen weisen Siedlungsreste aus der jüngeren Bronzezeit auf. Deshalb ist die Vermutung nahe liegend, dass die drei Fundplätze in einem Zusammenhang stehen könnten. Falls sich diese Vermutung als richtig erweisen sollte, käme eine besiedelte Fläche von etwa 10 ha in Frage.
Die Fundstelle am Sportplatz ist am umfangreichsten. Es handelt sich zunächst um Gruben, die sich durch dunklere Verfärbungen vom übrigen Erdreich abheben. Sie enthielten entweder nur Erde oder Erde und Keramikreste. Diese Gruben dienten wahrscheinlich als Abfallgruben. In den Gruben, die Keramikreste enthalten, wurde Zweierlei gefunden:
- zum einen Vorratsgefäße, d.h. große Töpfe mit rauer Oberfläche und einer sogenannten Fingertupfenleiste1[ *]
- zum anderen kam auch feine Keramik (Schüsseln, Schalen, Tassen) zum Vorschein. Als Schmuckelement erscheint ein Doppelkegel1[ *], der die Wende von der Mittel- zur Jungbronzezeit angibt.
Diese Funde stammen demnach aus einer Zeit, die etwa 800 Jahre vor Beginn unserer Zeitrechnung liegt.
Außer den genannten Vorratsgruben mit oder ohne Keramik ergaben die Grabungen Gruben mit starken Brandverfärbungen. Wahrscheinlich handelt es sich um Herdgruben. Grundrisse von Wohnhäusern konnten leider nicht erschlossen werden.
Von der Volkersdorfer Flur wurden neben den genannten Funden aus jüngerer Zeit schon im neunzehntem Jahrhundert (1837/38) Funde der Lausitzer Kultur erbracht. Es handelt sich um zwei Bruchstücke von Gefäßen, die zusammen mit Kohleresten am Niederen Waldteich beim Baumfällen gefunden werden konnten. Leider ist die genaue Stelle unbekannt. Aber auch eine bronzezeitliche Fundstelle an der Westseite der Autobahn der Berliner Strecke (heutige A13) zwischen Tannenberg und Hirschberg ist zu nennen. Es war ein einzelnes Gefäß, das beim Bau der Trasse zu Tage gekommen war. Weiterhin lag eine Fundstelle an der Görlitzer Strecke (heutige A4) auf ehemaliger Rähnitzer Flur, kurz hinter der Spinne.1 [ *] Diese Fundstelle ist in der Luftlinie von der Siedlung am Sportplatz nur 1,5 km entfernt. Durch den Autobahnbau kamen Siedlungsreste mit vielen Scherben und mit einigen Herdstellen zu Tage. Von hier aus befindet sich in Richtung Osten, etwa in einer Entfernung von 2 km Luftlinie, bereits auf Weixdorfer Flur, die nächste Fundstelle bronzezeitlicher Siedlungsreste.
Südlich von Volkersdorf ergab eine Vielzahl von Fundgruben ein bronzezeitliches Siedlungsnetz. So konnten Siedelplätze im Bereich der Halle des ehemaligen Verkehrsflughafens und der Marsdorfer Straße, im Bereich der Siedlung an der Lehmkuhle in Hellerau und in einer weiteren Siedlung im Bereich der alten Rähnitzer Schule festgestellt werden. Aus dieser Zeit sind auch Gräberfelder in großer Zahl bekannt. So ist z.B. ein großes Gräberfeld in Weixdorf / Moritzburger Straße zu nennen. Weitere Gräberfelder finden wir bei Hermsdorf, Medingen, Großdittmannsdorf und Radeburg. Auch in den Bereichen der Funktürme von Hellerau, des Hohen Weges und am Grünen Zipfel liegen Grabfunde vor. Etwas weiter entfernt sind im Westen die großen Hügelgräbergruppen des Moritzburger Forstes erwähnenswert.
Für die Siedlung von Volkersdorf steht das dazugehörige Gräberfeld leider aus. Am Niederen Waldteich kamen Gräber zutage, die der mittleren Bronzezeit (1200 v. u. Z.) angehören.
Wenn wir die Geschichte der Besiedelung unserer engeren Heimat überschauen, so können wir feststellen, dass die Volkersdorfer Fluren einen wesentlichen Nachweis hierzu beisteuern können.
Als Zusammenfassung folgende Zeilen von Dr. Billig aus dem Buch "Kurzer Abriss der ur- und frühgeschichtlichen Besiedelung der Volkersdorfer Flur und Umgebung".
{"...müssen wir feststellen, dass nach dünnen, teilweise unsicheren jungsteinzeitlichen Belegstücken eine intensive und dichte Besiedelung während der Lausitzer Kultur vom Ende der Mittelbronzezeit bis in die ältere Eisenzeit hinein einsetzen und danach das Gebiet wieder fast leer erscheint, bis im 12. Jahrhundert durch die deutsche Kolonisation das heute noch aus dem Gelände ersichtliche Siedlungsbild geschaffen wird."} [ *]
1 Recherche noch nicht abgeschlossen!
nach obenWie entstand der Name
Im Gegensatz zu vielen Elbtaldörfern und der Stadt Dresden, die rein slawischen Ursprungs sind, ist Volkersdorf eine deutsche Gründung. Name, Ortslage und Flurform erweisen sich als deutsch. Zur Begründung wird auf eine kurze geschichtliche Betrachtung zurückgegriffen.
Etwa seit 950 dehnten deutsche Feudalherren ihre Macht durch vielfältige Eroberungszüge auf slawisches Land ostwärts der Elbe aus. Aber immer wieder machten ihnen Aufstände der Unterworfenen schwer zu schaffen. Die Erhebungen konnten oft nur mit Mühe unterdrückt werden. Da die einheimische slawische Bevölkerung durch die Kämpfe enorme Verluste hatte, mangelte es an Arbeitskräften, die das Gebiet für die Eroberer nutzten. Sie riefen deshalb deutsche Bauern ins Land, um es mit ihrer Hilfe ausbeuten zu können. Die Siedler kamen meist aus Franken oder Thüringen. Volkersdorf wurde wahrscheinlich auch in dieser Zeit gegründet.
Der Ortsname wird erst zum Jahr 1378 erstmalig erwähnt, aber auf Grund der geschilderten geschichtlichen Situation ist es denkbar, dass die Gründung des Dorfes schon wesentlich eher erfolgte.
Etwa seit dem 11. Jahrhundert beteiligten sich die Slawen (Sorben) mit den Deutschen an der Rodung und Kolonisierung der Waldgebiete. Durch dieses Zusammenwirken gelangten alte sorbische Bach- und Flurnamen in den deutschen Wortschatz, wurden teilweise eingedeutscht, andere erhielten ihren ursprünglichen Lautbestand.
Bei der Besiedelung des Neulandes wurde wie folgt verfahren: So genannte Lokatoren, auch Siedelmeister genannt, organisierten die Anwerbung und Übersiedelung der Bauern. Unter einem Lokator ist also ein Siedlungsbeauftragter der Feudalherren zu verstehen. Er war der Obrigkeit für die Gründung des vorgesehenen Dorfes voll verantwortlich. Für seine Tätigkeit erhielt der Lokator einen höheren Landanteil als die übrigen Bauern sowie das Erbschulzenamt.1[ *] Außerdem wurde ihm bisweilen das Recht gewährt, dem neu gegründeten Dorf seinen Namen zu geben. Die Bezeichnung Volkersdorf weist auf einen Lokator namens Volkmar hin. Im Verlauf der Jahrhunderte erscheint der Name unseres Dorfes in verschiedenen Schreibweisen:
- Volkerstorf 1378
- Forkersdorff 1445
- Volkmersdorf 1446
- Follersdorf 1448
- Volckirstorff 1456
- Wulkirsdorf 1459
- Folkersdorff 1468
- Volkirsdorff 1470
- Folkersdorf 1476
- Folckerstorff 1479
- Volckirsdorff 1485
- Folckersdorff 1486
- Vockirsdorf 1499
- Volckerstorff 1500
- Volckersdorff 1501
- Folkirsdorf 1501
- Fulgkerstorff 1521
- Folkersdorf 1551
- Volkersdorf 1724
Man kann hiermit sehr gut nachvollziehen, dass es mit der Schreibweise von Namen und Begriffen frei nach dem Gehör ging. Eine Rechtschreibung , in dem Sinne wie wir sie heute verstehen, gab es nicht. Jeder schrieb nach seinem eigenen Verständnis und Wohlgefallen Texte nieder.
1 Recherche noch nicht abgeschlossen!
nach obenUnsere ehemaligen Nachbardörfer
Cunnertsdorf
Im 13 Jahrhundert gab es noch einen Ort namens Cunnertsdorf. Nach alten Urkunden von 1554, 1628, 1671, und 1724 lag Cunnertsdorf an dem Bächlein vom Steingrundteich nach dem Niederen Waldteich, wovon noch hier und da Reste unter der Erde liegen sollen. Die Feldfluren und den Oberwald von Cunnertsdorf haben sich die Eisenberger (heute Moritzburger), Reichenberger, Boxdorfer und Wilschdorfer Bewohner an sich gebracht und auch zum Teil darauf gebaut. Daher hatten auch die Pfarrer zu Bärnsdorf bis zur Ablösung im Jahre 1850 von einzelnen Bewohnern der genannten Ortschaften den Dezem [ *] bezogen, denn Cunnertsdorf gehörte vordem zu dessen Kirchspiel.
Der Untergang des Dorfes Cunnertsdorf kann leider geschichtlich nicht belegt werden. Als feststehend gilt die Tatsache, dass Cunnertsdorf bereits im Anfang des 15. Jahrhunderts wüst [ *] lag. 1408 werden Richenberg (Reichenberg) und villa desolata Komersdorff (das wüste Dorf Cunnertsdorf) in einer Leibgedingesache erwähnt.
Zeitereignisse aus den Hussitenkriegen oder aus dem 30 jährigen Krieg können nicht als Ursache des Wüstwerdens angeführt werden. Die wüstliegenden Güter wurden fast regelmäßig nach Kriegszerstörungen wieder aufgebaut, auch nach den gefürchteten und verrufenen Pestzeiten. Die meisten Wüstungen entstanden aus Fehlgründungen. Aber auch andere Ursachen waren entscheidend. Für Cunnertsdorf vermutlich eine frühzeitige Abrundung des landesherrlichen Jagdgebietes.
Knapsdorf
Auch ein Ort namens Knapsdorf gehörte zum Kirchspiel Bärnsdorf. Dieser Ort, ursprünglich eine Wasserburg, lag am Südausgang von Volkersdorf zwischen "Fürstenweg" und "Radeburger Straße" und wurde 1310 das erste Mal als Rittergut erwähnt, 1551 als Vorwerk. 1588 war Knapsdorf ein Füllenhof (Fohlenaufzuchtstation). Im selben Jahr erwarb die Gemeinde Volkersdorf für 2000 Gulden das Vorwerk. In Oeders Kartenwerk vom Jahre 1598 ist das erwähnte Vorwerk deutlich angegeben. Aber es muss damals schon ziemlich baufällig gewesen sein, denn in den Akten von 1551 heißt es: "...ein Vorwerk, hat gar böse Gebäude an Wohnhaus und Ställen..." Noch zu Beginn des 17.Jahrhunderts bestand dort ein stattliches Anwesen, an das Bezeichnungen wie Backhaus und Brunnen erinnern. Auf der Karte von Oberreit aus den Jahren von 1825 - 1860 ist auf dem Standort des Vorwerks nur eine "Hofewiese" [ *] eingetragen. Nichts deutet bereits damals darauf hin, dass sich hier einmal eine menschliche Ansiedlung befunden hat.
Innerhalb von reichlich 200 Jahren waren alle diesbezüglichen Spuren vergangen. In unmittelbarer Nähe befand sich, auf Rähnitzer Flur liegend, die bis 1890 arbeitende Ziegelei. Heute werden die Gebäude als Wohnhäuser genutzt.
nach obenVolkersdorf 1378 - 1840 (aus Zinsregistern und Kirchenbüchern)
Erste urkundliche Erwähnung des Dorfes Volkersdorf im Zinsregister des Markgrafen zu Meißen aus dem Jahre 1378
1. 1378 Volkerstorf gehört zum castrum Dresden Zins des Makrafen Volkerstorf walpurgis 30 groschen. Item michaelis 1 Schock groschen. Item 4 scheffel korn und ebensoviel hafer. Loc 4333/1378/3 Fol.129 2. 1445 Wenclaw von Polenczk bat zu Knapsdorf j`vorwerg und mit Heinrich Cesslawen eins zu Forkersdorff 10 ß und 1 Pferd zu dienen dem gnädigen Herrn. Loc 7997/1445/ Bl.14b 3. 1446 Leibgedingebrief für Dorothea Wenczlawen von Polenczk über Sedilhoff mitsamt dem Vorwergk Knapsdorff und das Dorff Volkmersdorf. Cop 43 Bl.225b 4. 1448 Margaretha, Tochter Wenczlaw von Polenczk, wird mannlehnwürdig gemacht und ihr das Vorwergk Knapsdorff, das Dorff Follerstorf und und die mole in denselben Dorffe, alles in der Pflege zu Dresden gelegen zu mannslehen geliehen. Cop 43 Bl.175b 5. 1456 Lehnbrief für Balthasar Ziegelheym über den Sitz zu Knapstorf, das Dorff Volckirstorff mit der mole, alles in der Pflege zu Dresden gelegen. Cop 45 Bl.175b 6. 1459 Ilse Bock Wurgwitz, Gemahlin, erhält 6 Schock Groschen Jahres- zins auf dessen Gütern zu Wulkirstorff und Conradswalde als Leibgut. Cop 45 Bl.271 7. 1468 Zinsverpfändung Balthasar Czigelheim zu Knapstorff verkauft dem Meißner Dom- kapitel zins zu ?Folkersdorff? was die Herzöge vergünstigen. Cop 58 Bl.426 8. 1470 Bogk und Sigemund von Worgewitz zu Volkirsdorff und zu Cyedelitz gesessen. 9. 1471 Elisabeth Bogk von Worgewitz, Witwe erhält als Leibgut das halbe Dorf Cunertswalde, ey stück acker, eyne wiese. Cop 59 Bl.476b 10. 1476 Lehnbrief Herzog Ernst für Balthasar und Hans von Taubenheim Gevattern über das Dorf Wildberg, die Wiesen in der Flur zu Folkersdorf. Loc 8904 Nr.43 Loc 8907 Nr.53 11. 1479 Dittrich von Arras wird mit halb Cunnertswalde belehnt und ein Stück Acker, eine Wiese ?aus dem Forwergk zu Folckerstorff gezogen?. Cop 61 Bl.202b 12. 1485 Besitzerwechsel, Namensformen. Balthasar von Czigelheym zu Volckirsdorff gesessen ? ist Nach- folger des ?Bog von Worgewitz? und im Besitz des ?Ritterguts gen Folckersdorff? Cod Lax II 4, 244 13. 1486 Herzog Albrecht belehnt Balthasar von Ziegelheym mit Gütern in der Pflege zu Dresden gelegen, den Rittersicz und Forwergk zu Folckersdorff, das Dorff daselbst mit einer mole und eynem Erbkrezschmar darynne. Cop 53 Bl.97 14. 1487 Lehnbrief ausgestellt Herzog Albrecht, mitbelehnt Ditterich von Ziegelheym. Erbkrezschmar (mit obersten und untersten Gericht) Cop 56 Bl.6 15. 1494 Baltasar Ziegelheim zu ?Folckersdorff? gesessen, verkauft dem Meissner Domkapitel Zinsen von7 ½ Hufe daselbst = 10 Gulden Gold Jahreszins auf Bauerngüter des Dorffs Folckersdorff für 200 Gulden ? Löschungsfrist 2 Jahre. Cod Sax II.3, 293 /XN Abt. A55 Bl.2b 16. 1499 Lehnbrief Herzog Georgs für Dittrich von Arras über den Rittersitz, Hof, Forwegk und Dorff zu Bernstorff, das kirchlehn und eiynen freien cretzschmar, Gerichte oberste und underste, über das Dorff Cunertswalde, auch mit beiden Gerichten, eine wiese und ein stück Acker zu Vockirstorff gen Conradtswalde geschlagen. - das dem Worgewitze gewest, - in allermaßen Albrecht Arras seinem Vetter Dittrich erblich verkäuft hat. Cop 9 Bl.81a/b 17. 1500 Balthasar von Ziegelheim zu Volckerstorff wird die Jagd verboten. Cop 106 Bl.154 18. 1501 Baltisar von Ziegelheim auf Volckersdorff setzt seine Tochter Margarethe, Nonne zum heiligen Kreuz, Meissen eine jährliche Rente von 2 Schock Groschen aus. 19. 1501 Volkersdorf Amt Moritzburg dinstag Wenzelai Mart Lehnbrief für Balthasar Ziegelheim über Volckersdorff, den Rittersitz, hof und forwergk mit dem gantzen Dorffe einen freyen erbcretzschmar. Cop 77 [2x ist Balthasar durchstrichen und Caspar überschrieben. Derselbe mit den undurchstrichenen Namen Balthasar in Loc 14679 Volkers- dorf und Knapsdorf. 1486 - 1555]* 20. 1501 Herzog Georg belehn Balthasar von Ziegelheim und seine Erben mit folgenden Gütern in der Pflege zu Dresden gelegen, mit namen ?Folkirstorff?, den Rittersitz, hofe und forwegk mitsamt dem gantzen dorff daselbst, darinnen eine mole und eynem freyen Erbkretzschmar, item den sietz und Forwegk Knapstorff ? mit erbgerichten, Recht auf Reh ? und Schweinejagd. 0.9434 (Lehnbrief Cop 77 Bl.25) 21. 1515 Lehnbrief Herzog Georgs für Friedrich, Hildebrand und Caspar Ziegelheim Gebrüder, über Folckerstorff, den Rittersitz, Hof und forwergk mit samt dem ganzen Dorfe, der Mühle und dem Erbkretzschmar sitz und Forwergk Knapsdorf. Loc 14679 22. zu 1515 Und dem myder und ober wüsten Forwegk zu Reynß, zinsen auf den Klippel und den Bruderwiesen. [In Lehnbriefen von 1487 sind die Vorwerke noch nicht als wüst bezeichnet, dagegen schon 1501.]* 23. 1521 Herzog Georg belehnt Hildebrand von Ziegelheim zu Fulgkerstorff, Gattin Elisabeth mit den Gütern ihres Gatten zu Leibgut. Die Ablösung soll 400 Gulden rheinisch betragen. Cop 88 Bl.10 24. 1530 Herzog Georg belehnt Hildebrand von Ziegelheim zu Folckerstorff der ihm 4 Teiche als den muehlteich und neuangelegten groeßn teich, den obigken muelteich, den bornteich zur Erbaueung zweier teiche bei Folgkerstorff überlassen hat mit 10 silbernen Schock aus der fürstlichen Silberkammer alles für ihn und seine Lehnserben, so oft der große Teich bei Folkersdorff wüst liege, darinnen hüten zu lassen. Cop 97 Bl.33 25. 1539 Herzog heinrich verleiht den Brüdern Caspar und Michel von Schön- berg off Reinsberg den Anfall an den Gütern Volckersdorff und Knapsdorff nach Caspar von Ziegelheims Tode. Cop 75 Bl.154 26. 1550 Kurfürst Moritz verkauft die Mühle zu Folckersdorff um 35 gute Schock ehrlich an Symon Rimer. 1555 bestätigt Kurfürst August den Kauf. Loc 14679 Volkersdorf und Knapsdorf 1486 ? 1555 27. 1551 Zugehörigkeit- Ober- und Erbgerichte dem Amt Dingstuhl im Dorfe ? Richteramt walzend. AB5 Bl. 90b, 91 28. 1551 Mühle Besitzer nicht genannt. Die Mühle zinst 30 fl. Walpurgis 30 fl. Michaelis. Der Müller dient 4 Tage mit der Hand. AB5 Bl.103b 29. 1551 Folkersdorf 34 besessene Mann mit der Mühle. darunter 15 Anspänner lehnzinsbar ? der Besitz 23 Hufen. Dabei 4 Gärtner, so auf die Vorwergksfelder gebaut. Keine Lehnware. Der Dingstuhl im Dorfe. Richteramt walzend, dem Amt willkürlich Frohnen auf Vorwergk Knapsdorff, Ackerbau, Brennholz. Wenn keine Holzfuhre, so fürs Amt im Jahr 3 Fuhren Malz, Bier und dergleichen. Herfahrtsdienste ? Mannesfolge dem Amt Moritzburg. Dresden ? Erbzins,= geschoß, Getreide, Hühner, Eier. Die Mühle gibt 30 Gulden Walpurgis, 30 Gulden Michaelis, dient noch 4 Tage mit der Hand. 3 Mann je 1 ½ Hufe ? 4 Mann je 5/4 Hufen ? 8 Mann je 1 Hufe 5 Mann je ½ Hufe ? 5 Mann je ¼ Hufen ? 8 Gärtner, 1 Mühler Hausgenossenzins: ein bar (Paar*) solches 2 gr. (Groschen*) ein einz. Person 1gr. Müssen darüber jeder jährlich 2 Schragen Holz hauen. Pfarrer gen Bernsdorf, Loc 40093 Rep XLVII Moritzburg 42 Erbbuch 30. 1551 In diesem Dorfe ist ein Rittersitz ?ofen Wahl? gelegen, darumb ein Wassergraben und ist derselbe nachm Dorff zwiefach, ist etwas zerfallen und baufällig und hat solches in Vorzeiten ein Edelmann Ziegenheim genannt, bewohnt. An sochem Hause sind zween Obstgärten jelegen, die tragen zu gemeinen Jahren 10 Tonnen Obst. B5 Bl.323 31. 1551 34 Ansässige mit der Mühle, darunter 15 Anspänner. 23 Hufen Landes ? Anbei 4 Gärtner, so auf die Vorwerksfelder gebaut. B5 Bl.90 32. 1551 Artfeldes ungefähr noch 9 Malder und do das dritte Feld gehalten, kommen in ein Feld 3 Malder. B5 Bl.323b Zu Vorwergk Ein Ochsenstall ist an diesem Hof gelegen, darinnen ungefähr 40 Ochsen zu stellen ? da das Gut ausserhalb der Wildbahn gelegen, so war es an Geld 1200 fl wohl würdig. 33. 1551 Pfarrer gen Bärnsdorf 1558Laub- und Streurechen in Dresdner Amtswaldungen, Friedewald Oberecke Loc 38525 Rep XVIII Dresden 178 34. 1569 Dienste auf dem Vorwerk Ostra Loc 38011 rep. XLVII Moritzburg Nr.24 35. 1581 Fischzucht In Folckersdorff befinden sich kurfürstliche Fischhälter. Loc 35253 Bl.404 36. 1588 Verzeichnis der Teiche Der Oberteich per Fulkersdorff der Niederteich per Fulkersdorff der ober moel Teich per Fulkersdorff der nieder Moel teich darnach ? gehören unters Amt Dresden. Loc 8066 f2 37. 1588 Gemeinde Volkersdorff kauft 1588 ehrlich für 2000 fl Vorwerk Knapsdorf einschließlich die sogenannten Wiesen, des Hirschberges, der Hof ? Eichen und des Preuselbusches, so dem Amt reserviert. Loc 27323 Rep XXII Moritzburg Nr.3 38. 1588 Das Vorwerk Knapsdorf, wie selbiges die Gemeinde zu Volkers- dorf um 2000 fl Kaufsumme exclusiv der sogenannten großen Wiesen, sowohl des Hirschberges, der Hofeichen und des Preuselsbusches, so dem Amte reserviert worden, mit Über- nehmung gewisser Zinsen und anderer Gefälle, auch eines Bewilligten Dienstgeldes an 67 fl 5 gr. nebst anderer Queribus. 1588 ehrlich an sich gebracht. Loc 37323 39. 1625 Teiche ? Mühle Der Ober Folckersdorffer Waldteich auser den dreyen Hörsten gehört unters Amt Moritzburg, ebenso der Under Folckersdorffer Teich, der Mühlteich zu Folckersdorff, der Mittelteich obern Mühlteich daselbst gelegen st ausgerissen das Dorfteichlein zu Folckersdorff, das Fohrenteichlein daselbst. Loc 8066 f13 Verzeichnis der Teiche 40. 1640 Amtsdienstpflicht Das zum Amte Moritzburg gehörende Dorff Vockersdorff ist zu gewissen Handdiensten in Vorwerk Ostra verpflichtet 1625 zahlt Volkersdorf für seine Dienste im Amt Moritzburg 67 fl 5 Pfennige. Schmid Amt Hain XII Nr.292 41. 1680 Amt Hain Beschwerde des Kretzschmars zu Volkersdorff über den Fisch- meister Richter betriebenen Wein- und Bierausschank. Schmid Amt Moritzburg IV Nr. 100 42. 1721 Hans Wagner, Wassermühle mahlet vom Teich und zusammen- gelaufenen Regenwasser 2 Gänge. Loc 33803 Amt Moritzburg 43. 1724 Hyronimus Gottfried Behrisch ist wegen eines Gütleins zu Volkersdorf Amtssasse des Amtes Moritzburg. Abtlg. XVI Nr. 1066 Rittergutsmatrikel 1724 St 230 44. 1724 Amt Moritzburg Lehnstück Ein Gütlein zu Volkersdorf hat Hyronimus Behrisch zu Lehn daselb ? ist amtssässig. Schule 1863 ? 1913 Kirche Bärnsdorf 45. 1833 Volkersdorf behauptet das Eigenthum an Grund und Boden der drei Knapsdorfer Teiche und des Mühlteichs bei Volkersdorf. Provokationsklage Loc 37652 Rep. XLII Sat. I. Moritzburg Nr.17 46. 1840 Amtshauptmannschaft Großenhain Ortsform: Zeilendorf Flur: Waldhufenähnliche Schmalstreifen.nach oben
Entwicklung der Einwohnerzahlen
| 1551 | 34 besessene Mann | 19 Inwohner | ||
| 1764 | 20 besessene Mann | 21 Gärtner | 5 Häusler | |
| 1834 | 373 | 1 Freigut | 1 Mühle | 1 Gasthof |
| 1874 | 386 | |||
| 1890 | 382 | 78 Gebäude | ||
| 1900 | 387 | 71 Gebäude | ||
| 1910 | 466 | |||
| 1925 | 482 | 85 Gebäude | ||
| 1939 | 594 | |||
| 1946 | 659 | |||
| 1964 | 606 | |||
| 1970 | 583 | 102 Wohngebäude | ||
| 1991 | 470 | 126 Wohngebäude | ||
| 2003 | 483 | 142 Wohngebäude | ||
| 2006 | 144 Wohngebäude | |||
| 2007 | 145 Wohngebäude |
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Alte Maße und Gewichte
Bei der Einordnung von Flächen- und Längenangaben muss nicht nur auf die Region (Sachsen, Preußen), sondern auch auf die Zeitangabe geachtet werden! Ein Morgen im 18. Jahrhundert ist nicht gleich ein Morgen im 19. Jahrhundert.
| Acker | altes sächsisches Feldmaß = 2 Morgen = 55,34a |
| Ar | 100m² Abk. a |
| Areal | Flächenmaß ohne bestimmte Morgenzahl |
| Band | Glashandel = Tafelglas, 1 Band = 6 Tafeln farbloses Glas |
| Decher | 10 Stück |
| Dutzend | 12 Stück |
| Elle | zwischen 55 und 85 cm, (1 sächs. Elle 56,53cm) (eines der ältesten Naturmaße, Länge des Unterarms) |
| Eimer | 2 Anker = 72 Dresdner Kannen entsp. 67,362 l ( Bier oder Wein) |
| Festmeter | 1 cbm Holzmasse |
| Fuß | 0,314m (Preußen), 28,33cm (Dresden), heute 1 Fuß (ft) = 0,3048m |
| Fuder | Wagenladung eines zweispännigen Wagens |
| Gros | 144 Stück |
| Hektar | 100a = 10.000m² |
| Hufe | auch Hube, unterschiedlich zwischen den verschiedenen Ländern, ist ein altes Flächenmaß aus dem Mittelalter, die Angaben schwanken zwischen 7 und 15ha, (aber eine sächs. Hufe = 19,92a ; eine preuß. Hufe = 25,53a) Die Hufe war keine feststehende einheitliche Maßeinheit, sondern die Bezeichnung für die Aufteilung der Feldmark eines Dorfes unter bestimmten Rechtsvorstellungen, unter örtlichen Verhältnissen und wahrscheinlich auch unter z.Z. geltenden Bonitätsgesichtspunkten. Der Umfang einer Hufe kann daher von Dorf zu Dorf unterschiedlich sein. Die verschiedenen Hufen sollten auch verschiedene ursprüngliche Wirtschaftsformen unterschieden haben. |
| Joch | 57,55a oder ein Feldstück, das an einem Tag mit einem Ochsengespann umgepflügt werden kann. |
| Kanne | altes Hohlmaß = 1,85l bei Flüssigkeiten, 2 Pfund bei Butter |
| Klafter | 6 Fuß = 1,9m Klafter Brennholz = 6 Fuß breit, 4,5 Fuß hoch, 4 Fuß lang = 3,339m³ |
| Linie | Längenmaß in Sachsen = 1,9665mm ; 12 Linien ergab ein Zoll |
| Lod | auch Loth, Münzgewicht = 14,599g, ab 1858 = 16,67g ; 4 Quent = ein Loth, 16 Loth waren eine Mark der Münze |
| Maas (Mäßchen) | 1,5l (Schüttgut), 1Maß = 1,622 l in Sachsen, 2,06 l in Preußen bei Flüssigkeiten |
| Malter | altes deutsches Getreidemaß in Sachsen 12,62 hl |
| Mandel | 16 Stück |
| Mark der Münze | 233,5837g |
| Meile | Entfernungsangabe, leitet sich vom lateinischen Mille (Tausend) ab und war ursprünglich die Strecke welche die römischen Soldaten mit 1000 Doppelschritten zurück legten = 1488m |
| deutsche Landmeile | bis 1841 = 9060m, ab 1842 = 7532m |
| englische Landmeile | (Statute Mile) = 1609,3m |
| Seemeile | 1/60 Meridiangrad = 1852m |
| Metze | ein altes deutsches Hohlmaß von schwankender Größe 3,4351 l in Preußen; 6,4893 l in Sachsen |
| Morgen | altes Feldmaß, das an einem Vormittag (Morgen) mit einem Ochsengespann umgepflügt werden kann. Wechselnd zwischen den Ländern, 25 - 30a, seit Einführung des metrischen Maß- und Gewichtssystems 1868/1872 in Deutschland ist der Morgen 25a = 2500m² |
| Quent | Münzgewicht =3,605g |
| Raummeter Scheitholz | 0,7 - 0,8 fm (Festmeter) |
| Raummeter Stockholz | 0,45 fm |
| Rute | 7,5 Ellen = 4,295 m (alte Messung); 16 Fuß = 4,531 m (neue Messung); 1 Quadratrute = 18,5 m² in Sachsen; 1 Quadratrute = 14,1846 m² in Preußen; Zeichen: ein Quadrat mit einem senkrechtem Strich in der Mitte der über das Quadrat hinausgeht. |
| Scheffel | 1. veraltetes Hohlmaß für Schüttgüter,
ein sächsischer Scheffel = 16 Metzen = 103,824 l
ein preußischer Scheffel = 16 Metzen = 54,9615 l 2. veraltetes Ackermaß Die Fläche für die beim Säen ein Scheffel Roggen erforderlich ist. örtlich starke Abweichungen zwischen 23 l und 222 l |
| Schock | Mengenangabe, 60 Stück = 5 Dutzend |
| Stein | altes Gewicht = 20 Pfund = 10 kg |
| Stiege | Mengenangabe, 20 Stück |
| Viertel | allgemein der 4. Teil einer größeren Einheit = 4 Viertel = 16 Metzen = 64 Mäßchen |
| Yard | Längenmaß, 1Yard (yd) = 0,9144m |
| Zoll | Längenmaß = 2,3599cm 12Zoll = 1 Fuß, entsprach früher in etwa der Daumenbreite |
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Erinnerungen des Lehrers Rost
"Das gesellschaftliche Leben in der Gemeinde Volkersdorf wurde einst vorwiegend durch Vereine geprägt. Vor mir liegt ein Tafellied zum 10.Stiftungsfest des Jugendvereins vom 29.April 1906. Damals waren, um nur einige darin aufgeführte und heute noch bekannte Namen zu nennen, Albin Paulich, Max Pappritz, Emil Günther, Hugo Dreßler und Paul Stumpler noch junge Burschen. Ich nehme an, dass der Jugendverein nach dem I. Weltkrieg nicht wieder zustande kam.
Ein großer Kreis der männlichen Bevölkerung war in der Freiwilligen Feuerwehr tätig. Ihr war unter der Leitung von Herrn Wätzig auch eine Musikkapelle angeschlossen, die bei vielen Festen in Aktion trat. Nicht unerwähnt möchte ich lassen, dass die Mitglieder auch Laienspiele zur Aufführung brachten.
Als ich nach 1933 nach Volkersdorf kam, bestand hier ein Männerchor, der jede Woche einmal in Hoffmanns Gasthof übte. Ich übernahm die Leitung und musste feststellen, dass er auf Grund seiner stimmlichen Zusammensetzung wenig leistungsfähig war. Deshalb erweiterte ich den Chor zu einem gemischten Chor, mit dem wir auch dann manches schöne Konzert veranstaltet haben. Dass dabei aber auch die Geselligkeit nicht zu kurz kam, versteht sich am Rande. Mir ist noch eine Spreewaldfahrt in Erinnerung, wo eben ein Kahn unbesungen kippen musste und die Männer die Frauen aus dem Wasser ans Ufer trugen. Leider nahm die Mitgliedszahl des Chores ab, als das Fernsehen aufkam und es viele vorzogen, den Abend vor der Bildröhre zu verbringen, statt sich musisch zu betätigen.
In Volkersdorf wurde auch Sport getrieben und zwar in der Gruppe der Kunstradfahrer, die unter Leitung von Herrn Alfred Peukert im Gasthofsaale übte. Bei vielen festlichen Gelegenheiten zeigten sie ihre Kunst.
Der Rasensport konnte sich lange Zeit nicht entwickeln, weil kein Sportplatz vorhanden war. Da kamen wir älteren Bürger auf die Idee, den Schulberghang einzuebnen. Einer der Initiatoren war auch August Mielsch. So gingen wir also an einem Sonntag mit Hacke und Schaufel ans Werk. Auch einige Arbeiter aus dem Gaswerk in Dresden, unser Patenbetrieb, halfen uns dabei.
Leider mussten wir aber bald unsere Arbeit einstellen, weil wir auf vorgeschichtliche Funde, ja sogar auf eine vorgeschichtliche Siedlung gestoßen waren. Nun sperrten zunächst die Vorgeschichtler vom Museum für Vorgeschichte in Dresden den Platz und nahmen weitere Ausgrabungen und Vermessungen vor. Über das Ergebnis gibt es eine von Herrn Dr. Billig verfasste Broschüre.
Die Funde können Interessenten im Museum für Frühgeschichte in Dresden besichtigen."
Herbert Rost
Lehrer i.R.
Zur Geschichte des Landkreises Meißen
Der Landkreis Meißen umfasst das Kerngebiet der einstigen Markgrafenschaft Meißen, in der Wiege Sachsens.
Auf dem heutigen Meißner Burgberg legte König Heinrich I. im Jahr 929 eine Befestigung an, aus der sich die Reichsburg Meißen als Sitz eines Markgrafen entwickelte. Die Reichsburg Meißen war somit die Keimzelle der Markgrafenschaft Meißen, die sich über das Kurfürstentum Sachsen zum Königreich Sachsen entwickelte, dessen Territorium im Freistaat Sachsen aufging.
Die seit 1089 mit der Mark Meißen belehnten Wettiner bauten ab dem 13. Jahrhundert eine straff organisierte Verwaltung auf. Untere Verwaltungsdistrikte waren die Ämter. Die Ämter Meißen und Dresden waren die ältesten und bedeutendsten Ämter der Markgrafenschaft Meißen. Das Amt Meißen wird erstmal 1334 urkundlich genannt und erstreckte sich von Mohorn im Süden bis nach Riesa im Norden sowie von der Elbe im Osten bis zur Linie Mügeln - Döbeln im Westen.
1835 wurden aus den Ämtern die Amtshauptmannschaften gebildet, die 1874 alle Verwaltungsaufgaben einer unteren Verwaltungsbehörde übernahmen. Das Gebiet unseres heutigen Landkreises Meißen gehörte damals anteilig zu den Amtshauptmannschaften Meißen, Dresden und Großenhain.
1939 wurden die Amtshauptmannschaften in Landkreise und diese 1952 in Kreise umbenannt. Die Verwaltungsreform von 1952 wurde jedoch auch von Veränderungen des Gebietsstandes begleitet. Vom Landkreis Meißen gingen Gemeinden an die Kreise Freiberg und Döbeln, insbesondere aber an die neu gebildeten Kreise Riesa und Freital über. Der Kreis Dresden verlor Gemeinden an die neu gebildeten Kreise Freital und Bischofswerda. Diese Kreiseinteilung hatte bis zur Kreisgebietsreform nach 1990 Bestand.
Der Landkreis Meißen in seiner heutigen Ausdehnung besteht seit dem 1. Januar 1996 und wurde aus dem Landkreis Meißen und Teilen des Landkreises Dresden - Land gebildet.
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